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Reisen vor und nach dem Internet

Reiseblogs, Geschichten und Hintergrundinformationen

Reisen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Insbesondere das Internet hat die Welt des Reisens geöffnet, da Buchungen, Reiseziele und Kommunikation online extrem einfach geworden sind. Vor dem Internet war Reisen vielleicht anspruchsvoller, aber auch lohnender.

Paul van Schaik
09-Apr-2025

Eine Weltreise im Jahr 1990, so viel anders als heute

Eine Weltreise im Jahr 1990, so viel anders als heute

1990 machten meine Schweizer Freundin (die ich in Ägypten kennengelernt hatte) und ich eine Weltreise. Wir hatten Geld gespart und früh unsere Jobs gekündigt, um die Welt zu sehen. Fast zwei Jahre lang reisten wir mit dem Rucksack von Mexiko-Stadt über Land durch Mittel- und Südamerika, über Tahiti, Neuseeland, Australien, Indonesien und Malaysia nach Bangkok. Auszeit pur, ohne Arbeit. Es war eine tolle Zeit und etwas, das man nie vergessen wird. Die einzigen Sorgen, die man hatte, waren, wie man zum nächsten Ziel kommt, was man dort macht und wo man essen und schlafen kann.

Natürlich hatten wir ein strenges Budget und übernachteten nur in Hotels ohne Sterne und nutzten, wenn möglich, öffentliche Verkehrsmittel. Während der fünf Sommermonate im Südpazifik campierten wir in einem kleinen Zelt. Wir reisten günstig, lernten aber auch in Belize tauchen, entdeckten Quetzale im Nebelwald Costa Ricas, besuchten Venezuela vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und erkundeten einzigartige Orte wie die einzigartigen Galapagosinseln, die herrlichen Iguazú-Wasserfälle, die abgelegene Osterinsel und das Inselparadies Bora Bora. Wir trampten durch Neuseeland und bestiegen den heiligen Uluru (Ayers Rock).


Mehr Menschen sind auf diese Weise gereist, es ist keine Ausnahme mehr. Aber heute ist es nicht mehr möglich oder notwendig, so zu reisen wie wir, und das schon allein wegen der Zeit: 1990–1992. Das war kurz vor dem Internet und lange bevor Smartphones und soziale Medien das Reisen komplett veränderten und den Massentourismus ermöglichten.

Der Tourismus war damals ganz anders

Der Tourismus war damals ganz anders

Tourismus und Reisen haben sich seit unserer Weltreise stark verändert. Zur Erinnerung an die guten alten Zeiten…

  • Flugzeuge hatten einen Raucher- und einen Nichtraucherbereich. Beim Check-in am Flughafen musste man der Stewardess mitteilen, ob man rauchte oder nicht, und bekam einen Sitzplatz vorne oder hinten im Flugzeug zugewiesen. Seit 1990 ist das Rauchen bei allen Fluggesellschaften weltweit verboten.
  • Wir blieben mit unseren Familien in Kontakt, um ihnen mitzuteilen, wo wir waren und dass es uns gut ging, oder um ihnen Geburtstagsglückwünsche zu schicken. Man musste ein Telefon mit Festnetzanschluss finden, von dem aus man ins Ausland telefonieren konnte, und dann wurden entweder 1 bis 5 US-Dollar pro Minute berechnet oder man wählte ein R-Gespräch und ließ sie bezahlen.
  • Unsere Freunde und Familie blieben gerne mit uns in Kontakt und schickten uns Post entweder an das Hauptpostamt einer Großstadt (Postlager) oder an die Schweizer oder niederländische Botschaft. Wir besuchten mehrere Konsulate, um unsere Post abzuholen, und das machte Spaß. Damals reisten noch nicht viele Menschen wie wir, und wir waren herzlich zu einer Tasse Tee oder Kaffee und einem Plausch eingeladen.
  • Fotografieren ist ein Muss, um schöne Erinnerungen an Orte, Erlebnisse und Gesichter festzuhalten. Wir benutzten eine typische analoge Canon-Kamera mit Wechselobjektiven: Man legte einen Film ein, machte 36 Aufnahmen, ließ ihn im Fotoladen entwickeln, hoffte auf das Beste und zahlte 1 Dollar pro Bild. Unsere vielen Filme gaben wir an zuverlässige (?) Schweizer Mitreisende weiter, die sie im Flugzeug mit nach Hause nehmen konnten, weil wir der Post nicht trauten. Übrigens: Den Ausdruck „Selfie machen“ gab es noch nicht!
  • Reisefilme während einer Weltreise zu drehen war fast unmöglich, da die Kameras und Bänder sehr groß, mechanisch und unhandlich waren und die Qualität nicht besonders gut war. (Digital-)Kameras oder Handys mit dieser Funktion waren noch nicht erfunden.

  • Um das nächste Reiseziel oder die nächste Unterkunft zu finden, nutzten wir Reiseführer wie Lonely Planet oder das Südamerika-Handbuch. Sie wurden von Leuten geschrieben, die vermutlich schon einmal dort gewesen waren und positive oder negative Bewertungen über Reiseziele, Märkte, Hotels oder Restaurants verfasst hatten. Da die meisten Reisenden dasselbe Buch benutzten, waren diese Reiseführer sehr wirkungsvoll: Eine gute Bewertung konnte viel Umsatz generieren. Natürlich waren die Bewertungen nicht ganz zuverlässig oder aktuell, da sie mindestens ein Jahr alt waren und möglicherweise sehr subjektive (gesponserte) Beiträge enthielten. Sich mit Reisenden darüber zu unterhalten, wohin man reiste oder woher man kam, war nicht nur unterhaltsam, sondern auch sehr informativ.
  • Für Buchungen jeglicher Art mussten wir zwei bis drei Tage vor Abreise ein Reisebüro aufsuchen oder persönlich zum Bus- oder Bahnhof gehen, um das Ticket abzuholen. In Mittel- und Südamerika sprechen die Menschen Spanisch und Portugiesisch. Nur wenige sprachen damals Englisch. Um dieses Hindernis zu überwinden, nahmen wir sechs Wochen lang Einzelunterricht in Spanisch im wunderschönen Antigua Guatemala und wohnten zu Beginn unserer Reise bei einheimischen Familien. Obwohl ich nicht fließend Spanisch spreche, kann ich mich gut auf Spanisch verständigen, eine wertvolle Fähigkeit.

  • Wir mussten ein wenig mit der Welt in Kontakt bleiben und hatten deshalb ein kleines Kurzwellenradio dabei, mit dem wir die Deutsche Welle (DW) mit Nachrichten in der uns vertrauten deutschen Sprache hören konnten. Zeitungen berichteten meist über Lokales oder Politik, auf Spanisch, oder waren so teuer wie eine Mahlzeit…
  • Wir hatten Reiseschecks im Wert von 25.000 US-Dollar in einem Beutel unter einem T-Shirt versteckt (entspricht 50.000 US-Dollar im Jahr 2025). Über viele Monate hinweg brauchte man ziemlich viel Geld für alltägliche Ausgaben wie Essen, Bus, Unterkunft und Sehenswürdigkeiten. Online-Banking gab es noch nicht. Reiseschecks von American Express und Thomas Cook waren zwar teuer, wurden aber von vielen lokalen Banken akzeptiert und waren gegen Diebstahl und Verlust versichert. Wir hatten eine Kreditkarte und für den Notfall eine Mutter zu Hause.
  • Nach jeder Reise in die Ferne – auch nach dieser Weltreise – teilten wir Erinnerungen mit Freunden und Familie zu Hause. Ich kann mich noch an mehrere Diashow-Sitzungen mit Projektor, Bier, Chips, Lächeln, vielen Fragen und allem Drum und Dran erinnern. Manche Reisende verdienten sich sogar etwas dazu bzw. finanzierten zukünftige Reisen, indem sie ihre Reise vermarkteten, einen Veranstaltungsort mieteten und Eintrittsgelder verlangten, um ihre Dias anzusehen und Reisegeschichten persönlich zu hören.

Reisen mit dem Internet in einer digitalen Welt

Reisen mit dem Internet in einer digitalen Welt

Das waren andere Zeiten. Für die Generation unter 30 Jahren mag das wie eine Ewigkeit klingen, aber es ist noch gar nicht so lange her. Das Internet und das World Wide Web erlebten erst Mitte der 1990er Jahre ihren Durchbruch. Vor Google, Facebook, Amazon und Wikipedia gab es ein anderes Leben mit gedruckten Enzyklopädien, echten Freunden und persönlichen Gesprächen, ohne Handy, ohne ständig online zu sein oder zu spielen, ohne Horden von Handy-Zombies, die die Straßen überquerten.


Die digitale Revolution und das Internet haben die Welt komplett verändert. Wir sind heute alle vernetzt, ob wir wollen oder nicht. Unser Alltag ist voller Technologie. Und es wird noch mehr kommen.


  • Das World Wide Web, kombiniert mit sozialen Medien, E-Mail und Chat, macht die Kommunikation und den Austausch von Informationen und Erfahrungen rund um den Globus zum Kinderspiel. Normale Festnetztelefone sind überflüssig geworden.

  • Websites und Online-Zahlungen machen das Buchen oder Kaufen von fast allem möglich. E-Commerce und globaler Versand haben ihren festen Platz im Einkaufsprozess gefunden.
  • Sicheres Online-Banking und elektronisches Geldüberweisen von zu Hause aus gehören heute zum Alltag von Jung und Alt. Dies war ein großer Fortschritt, der durch die hervorragende Internettechnologie ermöglicht wurde.
  • Hervorragende Smartphones und Digitalkameras haben die Aufnahme von Fotos und Videos sowie die Bildbearbeitung revolutioniert, insbesondere auf Reisen, wo wir kleine, leichte und tragbare Dinge mögen.

Einfaches Reisen, Massentourismus

Einfaches Reisen, Massentourismus

Reisen und Tourismus haben sich durch Reisewebsites, Online-Reisebüros (OTAs), Vergleichsplattformen, Blogs, Übersetzungstools und Anwendungen wie Google Maps und YouTube grundlegend verändert. Sie können sich heute die meisten Reiseziele ansehen, bevor Sie Ihre Koffer packen, und diese Orte für andere bewerten, die Ihrem Beispiel folgen könnten.


Reisen ist einfach, erschwinglich und allgegenwärtig geworden. Es ist so einfach, sich auf das nächste Abenteuer vorzubereiten, egal ob es sich um eine organisierte Tour, eine Kreuzfahrt, eine Expedition oder eine selbst organisierte Reise handelt. Organisierte Touren sind natürlich am einfachsten, da man in kürzerer Zeit mehr sieht, aber auch die Buchung von Hotels, Transportmitteln und Aktivitäten unterwegs ist kein Problem. Das Internet und die ganze Welt sind jederzeit leicht erreichbar.


Immer mehr Menschen reisen. Zunehmender Wohlstand und zunehmende Mobilität, insbesondere in asiatischen Ländern, haben das Phänomen des sogenannten Overtourism hervorgebracht. Manche Reiseziele sind so überfüllt, dass dies für die Einheimischen zum Problem geworden ist. Wohnkosten, Trinkwasserknappheit und Müll sind nur einige der Probleme. Besonders große Kreuzfahrtschiffe sind nicht mehr überall willkommen.

Digitale Nomaden

Digitale Nomaden

Viele Bürojobs sind internetbasiert und beinhalten Websites und Apps. Menschen verdienen ihr Geld mit Software, Marketing und Online-Inhalten. Berufsbezeichnungen wie Digital Marketer und Influencer sind relativ neu. KI wird noch neue Möglichkeiten eröffnen. Ihr Arbeitgeber und Ihre Kunden können überall sein. Wenn Sie abenteuerlustig genug und qualifiziert sind und remote arbeiten können, könnten Sie an einem schönen Ort wie der Karibik, Thailand, Vietnam, Bali, Spanien oder Portugal leben und von dort aus arbeiten. Oder noch besser: Ziehen Sie zwischen den Standorten hin und her und sehen Sie sich die Welt an!


Um Ihren Lebensunterhalt zu verdienen, brauchen Sie nicht immer einen Job. Eine gut besuchte Website oder ein Online-Video (YouTube) kann genügend Werbekunden anziehen, um Ihre Rechnungen zu bezahlen. Manche Reisende verbinden Spaß mit Arbeit, schreiben Geschichten und erstellen unterwegs Inhalte mit ihren GoPro-Kameras. Sie können lange unterwegs sein, ohne Ihr Budget zu sprengen.